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Das Geheimnis meiner Seelen-Geschichten-Malerei

Es war Frühsommer und ich fuhr an einen Ort in der Eifel, wo ich nie zuvor war. Und immer wenn ich irgendwohin fahre, wo ich zuvor noch nie war, fühlt es sich nach Abenteuer für mich an. 

 

Es war nur etwas mehr als eine Stunde Fahrt, aber genug Zeit, um sich ganz dem Kribbeln und der freudigen Erwartung Neuem gegenüber hinzugeben. Je näher ich meinem Ziel kam, desto grüner wurde es und mein Blick fiel auf wunderschöne Felder und Wiesen.

 

Der Weg führte mich durch kleine Dörfer mit klitzekleinen Fachwerkhäuschen und mein Herz ging auf, denn ich liebe Fachwerkhäuschen. Und so wich meine Abenteuerlust einem Wohlbehagen und einem Seufzer mit den Worten:

"Hier ist die Welt noch in Ordnung." 

 

Dieser Satz zog mich in seinen Bann und ich dachte, wenn ich hier wohnen würde, in so einem kleinen Fachwerkhäuschen, dann wäre alles viel schöner. Dort war es so friedlich und harmonisch. Ich dachte eine Weile darüber nach und dann kam mir die Erkenntnis, dass die Sehnsucht nach Harmonie und Frieden nicht durch das Äußere gestillt werden kann. Es muss im Innern stattfinden. Wie innen, so außen. Deine äußere Welt spiegelt deine innere Welt. Das ist eines der hermetischen Gesetze und wird auch Spiegelgesetz genannt. Wenn du in Harmonie mit dir selbst bist, bist du es auch mit der Außenwelt.

 

Auf dem Rückweg freute ich mich über die Erkenntnis und etwas in mir sagte: "Das musst du malen." 

"Waaaas, niemals! Ich male doch kein Dorf mit Fachwerkhäuschen," meinte eine andere Stimme in mir.

"Nein, du sollst auch kein Dorf malen. Vielleicht kannst du aber malen, was du empfunden hast, als du in deinem Auto durch das Dorf gefahren bist ... vorbei an den kleinen Häuschen, den Wiesen und Feldern.

Das Leben antwortet dir, wenn du ihm Fragen stellst.

Also stellte ich ihm die Frage: "Was genau habe ich beim Anblick der Häuschen, Wiesen und Felder empfunden und wie kann ich das malen?" 

In den darauf folgenden Tagen habe ich das immer wieder gefragt. Manchmal dauert es Wochen, bis die Antworten kommen und manchmal kommen sie sofort. Es bringt nix darüber zu grübeln und sich krampfhaft etwas auszudenken. Man muss nur die richtigen Fragen stellen und darauf vertrauen, dass sie beantwortet werden. 

 

Die Antworten kommen als Idee und innere Bilder in einem Moment, wo man gar nicht daran denkt. Dann bin ich immer richtig fasziniert und denke: "Wow, wie toll, da wäre ich doch nie drauf gekommen."

Manchmal meldet sich dann auch mein innerer Kritiker und sagt: "Das kannst du doch nicht. Das hast du noch nie gemalt." Aber in letzter Zeit muss ich dann immer lachen und an Pipi`s Worte denken: "Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe."


Wie das Bild entsteht.

Nun wusste ich also, was ich zu malen hatte, nämlich zum einen die Sehnsucht nach Harmonie und Frieden und zum anderen, Wiesen und ein idyllisches Dorf.

 

Vor meinem inneren Auge war es mir genauso erschienen: Ein Mädchen, das sehnsuchtsvoll in die Ferne blickt ... umgeben von grün und am Ende des Grüns das Dorf mit dem Ausblick in den Himmel.

 

Mit den Häuschen habe ich begonnen.

Warum sie nicht schwarz/weiß geworden sind, wie Fachwerkhäuschen nun mal sind, kann ich gar nicht beantworten. Es ist einfach so entstanden und ich hatte auch gar keine Lust auf schwarz/weiß.

 

Ich habe ein großes Problem mit Perspektiven, aber ich mach immer einfach und taste mich heran. Ich bin auch nicht der große Zeichner. Oft zeichne ich gar nicht vor und fange direkt mit Pinsel und Farbe an. Ich benutze derzeit Acrylfarben. Wenn ich etwas noch nie gemalt habe, dann suche ich mir ein Bild im Internet, damit ich weiß, wie das aussieht. Denn nur wenn ich weiß, wie es aussieht, kann ich es malen. Für das Mädchen oder die junge Frau auf der Schaukel habe ich mir in Ermangelung eines Models im Internet eine Vorlage ausgesucht, damit ich die Proportionen richtig wiedergeben kann. 

 

Manchmal muss man dafür eine Weile recherchieren, damit man das passende "Model" findet. Und dann passt man es für seine Zwecke an. Meine Vorlage hatte zum Beispiel ein langes Kleid und eine Hochsteckfrisur. Aber das hätte nicht in mein Bild gepasst. Vor meinem inneren Auge war das Mädchen barfuß mit langem Haar. Mit den Füßen war das auch so ne Sache. Wenn ich mir gar nicht vorstellen kann, wie sowas aussieht, dann müssen die eigenen Füße herhalten und jemand, der ein Foto davon macht und dann geht`s.

Das Handwerk der Malerei ...

... habe ich vor 30 Jahren in einem Malkurs gelernt. Die Aufgabe dort war es, so perfekt wie möglich nach einer Vorlage zu malen. Fotorealistisch sollte es sein und wir malten mit Ölfarben. Nach einiger Zeit merkte ich aber, dass mir etwas fehlte. Die eigene Note, das eigene Beiwerk, der eigene Stil konnte damit für meinen Geschmack nicht richtig zum Ausdruck kommen und auch nicht wirklich entwickelt werden. Und so beendete ich den Kurs und habe seit dem nie wieder einen Malkurs besucht.

 

Heute weiß ich es sehr zu schätzen, dass ich dieses Handwerk erlernt hatte und ich bin dankbar für die Muße, die ich für das Üben meiner eigenen Kreationen hatte und dadurch meinen eigenen Stil entwickeln konnte. Diese Mischung macht es, dass meine Figuren realistisch aussehen und sich inmitten einer Phantasiewelt befinden. Ich glaub das ist das Geheimnis meiner Kunst.

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Kommentare: 1
  • #1

    Konstanze (Montag, 12 August 2019 07:22)

    Wunderschön geschrieben. Ich denke ich müsste immer sofort eine Idee haben. Gut zu lesen das ein Bild vll auch mal Zeit braucht, bevor die Pinsel zum Einsatz kommen. Ganz lieben Dank für diesen Einblick

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